Eine Chronik des Wismarer Fussballs

Von 1900 über die DDR-Oberliga bis zum FC Anker Wismar von 1997 e.V.


Auch in Wismar wurde um 1900 mit dem Fußballspielen begonnen und das wie in den anderen Mecklenburger Städten zuerst mit mäßigen Erfolg. Vereine wie der FC Elite Wismar und SC 05 Wismar kickten in der A-Klasse Mecklenburg mit, ohne jedoch große Erfolge zu erringen. Ebenso ging es Germania Wismar, die ab 1921 auf dem neuen Sportplatz an der Goethestraße (heutiger Jahnsportplatz) kickten. Bei dem Platz handelt es sich um ein reines Fußballstadion, das zur damaligen Zeit über 10.000 Zuschauern Platz bot. Mittlerweile holt sich die Natur die Ränge zurück und es wird auch um das Spielfeld herum immer grüner, aber 5.000 Menschen dürften auch heute noch reinpassen. Während des Krieges spielte dort der TSV Wismar und in der Saison 1942/43 und 1943/44 in der Gauliga Mecklenburg sogar erstklassig.

Nach dem Krieg kam es zur Neugründung der Vereine und daraus gingen 1945 die SG Wismar-Nord und die SG Sport-Frei Wismar hervor und es begann ein fünfzehnjähriges Fusions- und Umbenennungschaos an dem auch die BSG Schiffsreparaturwerft Wismar und die 1949 gegründete BSG Einheit Wismar beteiligt waren und aus dem am Ende (3. Februar 1961) die TSG Wismar hervorgehen sollte. Doch bis es dazu kam, stand erstmal Oberliga-Fußball auf dem Programm. Bereits in den ersten Jahren nach dem Krieg stellte sich die SG Wismar-Süd (Nachfolger der SG Sport-Frei Wismar und späteren SG Blau-Weiß Wismar) als stärkstes Team der Stadt heraus. Besonders die Spiele der SG Wismar-Süd gegen die SG Schwerin zogen dabei die Massen auf den Jahnsportplatz. Am 30. Mai 1948 kamen zum entscheidenden Spiel gegen die Schweriner um die Landesmeisterschaft Mecklenburg 13.500 Zuschauer und diese mussten in einem dramatischen Spiel eine knappe 2:3-Niederlage miterleben. In der folgenden Saison sollte dies aber besser laufen und diesmal fiel die Entscheidung in Schwerin auf der legendären Paulshöhe.

Die Landeszeitung vom 12. April 1949 schrieb dazu: "Die Würfel sind gefallen, Mecklenburg hat einen neuen Fußballmeister. In einem von beiden Mannschaften mit äußerster Energie bestrittenen Treffen behielt Wismar-Süd mit dem knappsten aller Ergebnisse, 1:0, verdient die Oberhand und errang damit erstmalig den Titel des Landesmeisters. ... 12.000 Zuschauer, darunter zahlreiche Wismarer und viele Sportfreunde aus dem Lande, gaben dem Wettkampf einen würdigen Rahmen. Erfreulicher Weise verlief das Treffen bei aller Härte, die nun einmal nicht zu vermeiden ist, in durchaus fairen Bahnen, so dass der Werbecharakter des Spiels in keiner Weise getrübt wurde. Nach dem Spiel fand im Haus der Kultur die Siegesfeier statt, bei der der Schweriner Oberbürgermeister Seitz, der schon vor dem Spiel die Mannschaften und Spielbesucher begrüßt hatte, der siegreichen Wismarer Mannschaft den im Jahr 1948 gestifteten Silberpokal überreichte, der nach zweimaligen Gewinn in der Reihe oder dreimaliger Erringung außer der Reihe in endgültigen Besitz übergeht, und ihr weitere Erfolge in den bevorstehenden größeren Kämpfen wünschte."

Damit war der Weg frei in die neugeschaffene Oberliga, doch unter neuem Namen. Die SG Wismar-Süd, die BSG Schiffreparatur Wismar und "Deruta" schlossen sich 1949 zur Zentralsportgemeinschaft (ZSG) Anker Wismar zusammen. Zu Beginn der Oberligasaison fanden sich die Wismarer jedoch schnell im Tabellenkeller wieder und die 6.462 Zuschauer (Rekord 9.000 gegen die SG Vorwärts Schwerin) die im Schnitt zu den Spielen kamen, bekamen auf heimischen Boden nur vier Siege zu sehen. Am Ende stand die ZSG Anker punktgleich mit der ZSG Altenburg auf dem 13. Platz und so entschied ein Relegationsspiel über den Verbleib in der höchsten Spielklasse. Dieses wurde jedoch in Magdeburg mit 3:2 verloren und so ging es wieder in die Liga (zweithöchste Spielklasse) runter.

Übrigens hatte die BSG Schiffsreparatur bei der Fusion ein neugebautes Stadion an der Bürgermeister-Haupt-Straße mit eingebracht. Der Bau wurde Ende 1948 begonnen und am 30. April 1950 mit dem Spiel gegen den Eimsbüttler TV eingeweiht. Die offizielle Eröffnung gab es aber erst zwei Jahre später mit einem großem Sporttag am Wochenende 20./21. September 1952. Bei diesem wurde die neue Arena nach dem Wismarer Widerstandskämpfer Kurt Bürger benannt. Das Stadion verfügte über eine Laufbahn und 15.000 Sitzplätze, von denen 500 überdacht waren. Dort wurden die Heimspiel der neuen ZSG ausgetragen und das auch sehr erfolgreich, denn nur ein Jahr später sollte der Wiederaufstieg in die Oberliga gelingen. Die zweite Oberligasaison brachte dann auch wieder einen neuen Namen für den Verein mit sich, diesmal BSG Motor Wismar. Zudem durften die Spiele nicht im neuen Stadion ausgetragen werden und auch die Bemühungen den Jahnsportplatz herzurichten scheiterten, so dass der Kreissportausschuss entschied, dass die BSG Motor Wismar in Rostock zu spielen hat. Das war natürlich ein Schlag ins Gesicht für die Anhänger in Wismar und das Jahr in Rostock sollte auch nicht so erfolgreich laufen. Zwar holte Motor in 36 Spielen 24:48 Punkte, aber dies reichte nur zu Rang 17 und dem neuerlichen Abstieg.

Motor entwickelte sich nach dem Abstieg zum ewigen DDR-Liga-Teilnehmer und am 3. Februar 1961 kam es dann zur großen Fusion. Aus der BSG Motor Wismar und der BSG Aufbau Wismar (zuvor SG Wismar-Nord) wurde die TSG Wismar. Die BSG Einheit Wismar (zuvor SG Vorwärts Wismar) wurde ebenfalls mit eingegliedert und bildete die zweite Mannschaft der TSG, die in der Bezirksliga Rostock spielte. Die neu gebildete TSG spielte bis zur Saison 1983/84 in der Liga, bis bei der Reduzierung der Ligen von fünf auf zwei Staffeln der Abstieg in die Bezirksliga Rostock folgen sollte.

Es folgten in den Neunzigern einige Jahre in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern und 1996/97 der Absturz in die Landesliga. Am 31. Januar 2003 trat die Fußballabteilung de TSG dem am 12. Juni 1997 gegründeten FC Anker Wismar bei. Dieser ist seit 1997 als Nachfolger von Schifffahrt/Hafen Wismar die neue Nummer Eins in der Stadt. So übernahm der neue Verein den Startplatz in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern und 1998 die Nachwuchsmannschaften des SV Schifffahrt/Hafen. 2000 und 2004 konnte jeweils der Landesmeistertitel errungen werden, was den Aufstieg in die Oberliga Nordost Nord nach sich zog. Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt in der Saison 2005/05 in der Oberliga folgte in der vergangenen Saison der erneute Abstieg in die Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern. Dort wird nun beginnend mit der neuen Sasion ein grundlegender Neuaufbau vollzogen, der mit einer soliden und erfolgreichen Nachwuchsarbeit das Fundament für eine erfolgreiche Zukunft des FC Anker bilden soll.

Chronik mit freundlicher Unterstützung von nordostfussball.de